Die kleine kroatische Insel Kaprije erlebt seit Tagen eine dramatische Situation. Abgeschnitten vom Festland, ohne Strom und ohne funktionierende Heizung, zeigt sie in diesen Tagen, wie verletzlich das Inselleben im Winter sein kann. Kaprije liegt in der Region Šibenik, ist autofrei und dünn besiedelt, ein Ort, den viele im Sommer wegen seiner Ruhe, der Natur und der Privatsphäre schätzen. Doch seit dem 21. November 2025 herrscht Dunkelheit. Der Jugo-Wind, ein warmer und gleichzeitig gefürchteter Südwind, peitscht seit Tagen über die Adria und verhindert jede Überfahrt. Obwohl Techniker bereitstehen, ist kein Boot in der Lage, die Insel zu erreichen.
Während der Sommer Kaprije zu einem Geheimtipp für Menschen macht, die nicht überlaufene und naturbelassene Ziele suchen, wird im Winter die Abhängigkeit von Infrastruktur besonders sichtbar. Anders als Inseln wie Krk, Pag oder Murter, die über Brücken mit dem Festland verbunden sind und daher selbst bei starkem Wind erreichbar bleiben, ist Kaprije vollständig auf Boote angewiesen. Das Meer entscheidet, ob die Verbindung zum Festland steht und an diesen Tagen entscheidet es gegen die Inselbewohner.
Seit Tagen ein Leben im Ausnahmezustand
Die Bewohner Kaprijes, von denen viele über achtzig Jahre alt sind, erleben eine Ausnahmesituation, die sich mit jedem Tag verschärft. Ohne Strom bleiben Heizungen kalt, Warmwasser bleibt aus, und selbst das Kochen ist vielerorts unmöglich, da viele Haushalte keine Gas-Alternative besitzen. Die Lebensmittel in den Kühlschränken verderben, während die Inselbewohner im Dunkeln mit Kerzen oder Taschenlampen versuchen, sich zu orientieren.
Die Elektrizitätsgesellschaft bestätigt den Ausfall und betont, dass die Techniker bereitstehen, aber der Jugo mit seinen hohen Wellen und den gefährlichen Böen macht jede Überfahrt unmöglich. Für Außenstehende wirkt ein Stromausfall wie ein technisches Problem. Für die rund fünfzig Menschen, die den Winter auf der Insel verbringen, bedeutet er Not, Hunger und Angst.
Einige berichten, sie hätten sich den ganzen Tag im Bett aufgehalten, um nicht zu frieren. Andere versuchten, mit Teelichtern Wärme zu erzeugen. Ein Bewohner postete auf Facebook, der Wind habe ihn „seit heute Morgen anstatt zu singen nur fluchen lassen“. Die Verzweiflung ist groß.
Kroatische Insel: warum Kaprije besonders betroffen ist

Kaprije: Bild von Goran Safarek
Kaprije ist eine der ruhigsten Inseln Kroatiens. Ihre Schönheit liegt in der Abgeschiedenheit, den autofreien Wegen, den wenigen Häusern und der Stille, die im Sommer Reisende anzieht, die Ruhe suchen. Gleichzeitig macht genau diese Abgeschiedenheit die Insel verwundbar.
Während Inseln wie Krk oder Pag durch Brücken jederzeit erreichbar bleiben, sind viele kleinere kroatische Inseln vollständig von Wetter und Fähren abhängig. Kaprije gehört dazu. Die Insel ist nur durch Bootslinien mit Šibenik verbunden, und diese Verbindung bricht bei stürmischem Wetter vollständig zusammen.
Bewohner posten auf sozialen Medien wie Instagram oder Facebook ihre Sorgen und Hilferufe. Eine ältere Frau, Kata Radovčić, schrieb, sie hätte nie geglaubt, dass sie an ihrem Namenstag weinen würde, weil sich niemand um die Situation der Insel kümmert. Diese Worte gingen viral, weil sie zeigen, wie ohnmächtig sich die Menschen fühlen.
Insel seit zwei Tagen Dunkelheit, Kälte und Isolation
Seit zwei Tagen liegt die Insel im völligen Dunkeln. Die Geräusche des Sturms ersetzen das vertraute Licht der Häuser. Der Jugo-Wind, normalerweise Teil des natürlichen Rhythmus der Adria, wird in solchen Ausnahmesituationen zum Gegner. Er verhindert die Überfahrt, blockiert Notdienste und hält die Techniker davon ab, die Insel überhaupt zu erreichen.
Die Bewohner erleben die Isolation unmittelbar. Ohne Heizung sitzen sie in der Kälte, manche ohne Möglichkeit zu kochen. Kühlschränke laufen aus, Lebensmittel verderben, und viele der älteren Bewohner sind gesundheitlich angeschlagen. Medizinische Hilfe ist kaum vorhanden. Die Nachbarschaften versuchen sich gegenseitig zu helfen, so weit es ohne Strom möglich ist.
Kristijan Antic, die Stimme der Insel
Der Blogger und Aktivist Kristijan Antić dokumentiert die Lage auf Kaprije seit Beginn des Stromausfalls. Seine Beiträge erscheinen auf lokalen Plattformen und werden in den Medien zitiert. Er sammelt Informationen, Fotos und Stimmen der Betroffenen, um der Insel eine Stimme zu geben.
Antić macht deutlich, dass hinter jeder Meldung Menschen stehen: Senioren, die frieren, Familien, die im Dunkeln sitzen, Bewohner, deren Kühlschränke auslaufen und die sich fragen, wie lange sie noch ohne Strom überstehen sollen. Er beschreibt, wie viele nicht glauben konnten, wie schnell die grundlegenden Elemente des Lebens, Wärme, Licht, Nahrung, wegbrechen können.
Kaprije im Kontext der kroatischen Inselwelt

kroatische Inseln: Bild von HamerPix
Die Lage auf Kaprije wirft ein Licht auf die gesamte Inselregion Kroatiens. Viele Inseln sind friedliche Rückzugsorte für Naturfreunde und einige gehören zu den leisesten Orten des Landes. Auf Inseln wie Silba, wo Autos und manchmal sogar Fahrräder verboten sind, oder Unije, wo das Meeresrauschen den Alltag bestimmt, finden Besucher die Ruhe, die Kaprije im Sommer ausstrahlt. Auch Šipan, Teil der Elaphiten, gilt als besonders entspannt, ebenso wie die Sandinsel Susak mit ihren weichen Wegen und dem fast karibischen Feeling.
Diese Inseln teilen eine Eigenschaft: Sie sind ruhig, nicht überlaufen und ideal für alle, die Natur suchen. Doch sie teilen auch die Abhängigkeit von Wetter und Versorgung. Die Ruhe, die sie im Sommer so beliebt macht, führt im Winter zu Herausforderungen.
Wer in Kroatien Inseln sucht, die durchgehend erreichbar bleiben, findet sie dort, wo Brücken existieren. Krk, Pag und Murter stehen hier als Beispiele. Die Verbindung zum Festland schützt diese Inseln vor Isolation, ein Vorteil, den Kaprije im aktuellen Sturm schmerzlich vermisst.
Warum die Lage auf Kaprije Aufmerksamkeit verdient
Die Situation auf Kaprije ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie dünn die Versorgungswege auf kleinen Inseln sein können und wie stark das Wetter den Alltag beeinflusst. Sie zeigt, wie wichtig moderne Infrastruktur ist und wie verletzlich Orte bleiben, die in der Sommeridylle fast paradiesisch wirken.
Die Bewohner Kaprijes hoffen jetzt auf eine Wetterberuhigung. Erst wenn der Jugo nachlässt, können Techniker die Insel erreichen, die Stromversorgung wiederherstellen und das Leben der Bewohner normalisieren. Bis dahin bleibt Kaprije im Ausnahmezustand, gefangen zwischen Naturgewalt, Isolation und der Hoffnung auf besseres Wetter.




